Warum manche Menschen den Kontakt zu ihren Emotionen verlieren
- isabellpohldd
- 16. März 2025
- 3 Min. Lesezeit
„Ich weiß gar nicht, was ich fühle.“ – Ein Satz, der oft fällt, wenn Menschen den Zugang zu ihren eigenen Emotionen verloren haben. Während manche tief in ihre Gefühlswelt eintauchen können, scheint sie für andere wie hinter einer dicken Glasscheibe verborgen zu sein. Doch warum passiert das? Und wie kann man den Kontakt zu den eigenen Emotionen wiederherstellen?
Wie verlieren Menschen den Zugang zu ihren Emotionen?
Der Verlust des emotionalen Zugangs geschieht nicht über Nacht – er ist oft das Ergebnis jahrelanger Erfahrungen und Prägungen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
Erziehung und gesellschaftliche Prägung Viele von uns haben früh gelernt, dass bestimmte Emotionen „nicht okay“ sind. Sätze wie „Sei nicht so empfindlich!“ oder „Jungs weinen nicht!“ vermitteln unbewusst die Botschaft, dass Emotionen etwas Unerwünschtes sind. Um sich anzupassen, lernen Kinder, ihre Gefühle zu unterdrücken – ein Muster, das sich ins Erwachsenenleben zieht.
Chronischer Stress und Überlastung Wer ständig unter Druck steht, hat oft keine Kapazitäten mehr, sich mit seinen Emotionen auseinanderzusetzen. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus und blendet Gefühle aus, um „funktionieren“ zu können.
Traumatische Erfahrungen Menschen, die belastende oder traumatische Erlebnisse hatten, entwickeln oft Schutzmechanismen, um sich vor schmerzhaften Emotionen zu schützen. Dazu gehört das „Abschalten“ der Gefühle – ein Überlebensmechanismus, der kurzfristig hilfreich sein kann, langfristig aber dazu führt, dass auch positive Emotionen gedämpft werden.
Kulturelle oder familiäre Einflüsse In manchen Familien oder Kulturen werden Emotionen nicht offen gezeigt oder besprochen. Wer in einem Umfeld aufwächst, in dem Gefühle als Schwäche gelten oder gar nicht erst thematisiert werden, wird sie irgendwann gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.
Dauerhafte emotionale Unterdrückung Wer sich über lange Zeit angewöhnt hat, Emotionen nicht zuzulassen – sei es durch Ablenkung, Rationalisierung oder Verdrängung –, verliert mit der Zeit die Fähigkeit, sie überhaupt noch wahrzunehmen.
Was passiert, wenn wir den Kontakt zu unseren Emotionen verlieren?
Emotionen sind nicht einfach „nervige Begleiterscheinungen“, sondern essenzielle Wegweiser für unser Wohlbefinden. Wer sie ignoriert oder verdrängt, kann langfristig Folgen spüren:
Emotionale Leere oder Taubheit – das Gefühl, innerlich „abgeschaltet“ zu sein
Schwierigkeiten bei Entscheidungen – weil Emotionen uns normalerweise leiten
Erhöhte Anspannung oder körperliche Beschwerden – unverarbeitete Emotionen äußern sich oft in Verspannungen, Kopfschmerzen oder Verdauungsproblemen
Beziehungsprobleme – da Emotionen eine zentrale Rolle in Verbindung und Empathie spielen
Erschöpfung oder depressive Verstimmungen – da das emotionale System nicht mehr regulierend wirken kann
Wie kann man den Zugang zu seinen Emotionen wiederfinden?
Der Kontakt zu den eigenen Emotionen lässt sich wiederherstellen – allerdings braucht es dafür Geduld und bewusste Aufmerksamkeit. Hier sind einige Schritte, die helfen können:
Bewusstes Wahrnehmen des Körpers Emotionen zeigen sich oft körperlich, bevor wir sie bewusst benennen können. Achte auf Muskelspannung, Atemmuster oder Unwohlsein – sie sind oft erste Hinweise auf unterdrückte Gefühle.
Selbstreflexion und achtsame Fragen Stelle dir regelmäßig Fragen wie: „Wie geht es mir wirklich?“ oder „Welche Emotion könnte hinter meiner Reaktion stecken?“
Tagebuch schreiben Wer seine Gedanken und Gefühle regelmäßig aufschreibt, trainiert, Emotionen bewusster wahrzunehmen und zu benennen.
Kreativer Ausdruck Malen, Musik oder Bewegung können helfen, Emotionen auszudrücken, ohne sie in Worte fassen zu müssen.
Gespräche und Emotionscoaching Sich mit vertrauten Menschen auszutauschen oder professionelle Unterstützung zu suchen, kann helfen, emotionale Blockaden zu lösen.
Geduld und Selbstmitgefühl Der Kontakt zu Emotionen lässt sich nicht erzwingen. Es ist ein schrittweiser Prozess, der mit Akzeptanz und Freundlichkeit sich selbst gegenüber beginnt.
Fazit: Emotionen als Wegweiser statt als Gegner
Wer den Zugang zu seinen Emotionen verloren hat, ist nicht „kalt“ oder „unfähig zu fühlen“ – oft steckt eine Schutzstrategie dahinter. Doch Emotionen sind essenziell für unser Wohlbefinden, unsere Entscheidungen und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Sich ihnen wieder zu nähern, bedeutet nicht, von ihnen überwältigt zu werden – sondern sie als wertvolle Verbündete zu sehen, die uns Orientierung geben. Denn am Ende gilt: Wer sich selbst fühlt, kann auch das Leben intensiver erleben.







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