"Ist doch gar nichts passiert!"
- isabellpohldd
- 16. März 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Apr. 2025
Ein Kind stürzt, schlägt sich das Knie auf und beginnt zu weinen. Sofort kommt ein gut gemeinter Satz von Eltern oder Bezugspersonen: „Ist doch gar nichts passiert!“ Klingt erstmal harmlos – doch dieser Satz kann weitreichendere Folgen haben, als man denkt. Denn was wir damit unbewusst vermitteln, ist: „Dein Schmerz ist nicht real“ oder „Deine Emotionen sind übertrieben“. Zeit, das mal genauer unter die Lupe zu nehmen!
Warum sagen Eltern diesen Satz?
Die meisten Eltern meinen es nicht böse, wenn sie ihr Kind mit einem „Ist doch gar nichts passiert!“ beruhigen wollen. Oft steckt dahinter der Wunsch:
Das Kind schnell zu trösten und ihm Sicherheit zu geben.
Dem Kind beizubringen, dass kleine Verletzungen oder Misserfolge nicht dramatisch sind.
Eigene Unsicherheit im Umgang mit starken Emotionen zu überspielen.
Den Schmerz „wegzumachen“, um sich selbst besser zu fühlen.
Doch egal, wie gut die Absicht ist – die Botschaft, die beim Kind ankommt, ist eine andere.
Was macht dieser Satz mit dem Kind?
Kinder lernen durch die Reaktionen ihrer Bezugspersonen, wie sie ihre eigenen Emotionen bewerten sollen. Wenn sie Schmerz oder Angst verspüren und darauf die Botschaft erhalten „Das ist nichts“, kann das folgende Auswirkungen haben:
Gefühle werden infrage gestellt: Das Kind spürt eindeutig Schmerz oder Angst, aber es bekommt gesagt, dass „nichts passiert“ sei. Daraus kann sich ein innerer Konflikt entwickeln: „Kann ich meinen eigenen Empfindungen überhaupt trauen?“
Emotionale Unterdrückung: Wenn Kinder lernen, dass ihr Schmerz oder ihre Angst als übertrieben angesehen werden, lernen sie, ihre Gefühle zu unterdrücken – mit langfristigen Folgen für die emotionale Gesundheit.
Fehlende Selbstwahrnehmung: Ein Kind, dem immer wieder gesagt wird, dass es nicht schlimm sei, wenn es sich verletzt, könnte später Schwierigkeiten haben, die eigenen Grenzen zu erkennen und ernst zu nehmen.
Wie könnte man es stattdessen sagen?
Natürlich sollen Kinder lernen, mit kleinen Rückschlägen umzugehen. Aber das geht auch, ohne ihre Emotionen abzuwerten. Statt „Ist doch gar nichts passiert!“ könnte man sagen:
„Ich sehe, dass du dich erschrocken hast. Alles okay?“ (Signalisiert Verständnis und lässt das Kind selbst reflektieren.)
„Oh, das hat bestimmt wehgetan. Wie fühlt es sich an?“ (Hilft dem Kind, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen.)
„Ich bin da, du bist nicht allein.“ (Gibt emotionale Sicherheit, ohne das Gefühl kleinzureden.)
„Atme mal tief durch, wir schauen uns das gemeinsam an.“ (Hilft, die Situation zu beruhigen und gibt eine Strategie zur Selbstregulation.)
Fazit: Kleine Worte, große Wirkung
Was wir zu Kindern sagen, prägt, wie sie mit ihren Emotionen umgehen. Der Satz „Ist doch gar nichts passiert!“ mag gut gemeint sein, doch er kann langfristig dazu führen, dass Kinder lernen, ihre eigenen Gefühle nicht ernst zu nehmen. Eine bessere Strategie ist es, ihre Wahrnehmung zu bestätigen und ihnen gleichzeitig Werkzeuge an die Hand zu geben, um mit Emotionen gesund umzugehen. Denn das bedeutet nicht, dass sie wehleidig werden – sondern dass sie lernen, sich selbst zu vertrauen.







Kommentare