Ich bin nicht gut genug! – Die unsichtbare Last der Scham
- isabellpohldd
- 5. Apr. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Scham ist eine der intensivsten, aber auch am wenigsten besprochenen Emotionen. Sie wirkt oft im Verborgenen und beeinflusst unser Selbstbild, unser Verhalten und unsere Beziehungen. Doch was genau ist Scham, woher kommt sie und wie beeinflusst sie unser Leben?
Was ist Scham?
Scham ist eine unangenehme, nach innen gerichtete Emotion, die uns das Gefühl gibt, als Person nicht richtig, nicht wertvoll oder nicht gut genug zu sein. Während Schuld sich auf eine konkrete Handlung bezieht ("Ich habe etwas falsch gemacht"), greift Scham tiefer: Sie vermittelt die Überzeugung ("Ich bin falsch").
Die Entstehung von Scham
Scham hat ihren Ursprung oft in unserer Kindheit. Negative Erfahrungen wie übermäßige Kritik, Zurückweisung oder das Gefühl, nicht den Erwartungen zu entsprechen, können dazu führen, dass sich tief verwurzelte Glaubenssätze bilden. Diese können unser gesamtes Leben prägen.
Ein typischer destruktiver Glaubenssatz über Scham:
„Ich bin nicht gut genug.“
Dieser Satz kann dazu führen, dass wir uns kleinmachen, unsere eigenen Bedürfnisse zurückstellen und uns selbst sabotieren. Er lässt uns zweifeln, ob wir wirklich liebenswert oder wertvoll sind.
Wie beeinflusst Scham unser Leben?
Scham ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern kann auf viele Lebensbereiche Einfluss nehmen:
🔹 Selbstwertgefühl: Scham nagt an unserem Selbstbewusstsein und lässt uns an uns selbst zweifeln.
🔹 Beziehungen: Sie führt dazu, dass wir uns zurückziehen, uns nicht zeigen, aus Angst, abgelehnt zu werden.
🔹 Entscheidungen: Scham kann uns davon abhalten, neue Dinge auszuprobieren, Chancen zu ergreifen oder für uns selbst einzustehen.
🔹 Körperliche Gesundheit: Dauerhafte Scham kann Stress auslösen, der unser Immunsystem schwächt und das Risiko für psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen erhöht.
Ein Aspekt, der oft unterschätzt wird: Scham macht einsam. Sie isoliert. Gerade deshalb ist ein wichtiger Schritt im Umgang mit dieser Emotion, sich jemandem anzuvertrauen. Einem Menschen, dem du vertraust – sei es ein:e Freund:in, eine Beratungsstelle oder dein:e Ärzt:in. Scham verliert an Macht, sobald sie ausgesprochen wird.
Scham wirkt oft leise und dennoch mächtig. Sie beeinflusst nicht nur unser Denken, sondern auch unser Fühlen und Handeln. Studien zeigen, dass tiefsitzende Überzeugungen – selbst wenn sie durch neue Gedanken ersetzt werden – oft nur dann eine nachhaltige Veränderung bewirken, wenn sie auch emotional wirklich erfahren und verinnerlicht werden. Der bloße Versuch, destruktive Glaubenssätze durch neue zu ersetzen, kann sogar das Gefühl von „nicht gut genug zu sein“ verstärken, wenn der neue Satz sich nicht stimmig oder glaubhaft anfühlt.
Scham im Licht aktueller Konzepte
Aus Sicht moderner Emotionsforschung lässt sich Scham als energetisch „niedrig schwingende“ Emotion betrachten – so etwa im Modell der Bewusstseinsskala von David R. Hawkins. In dieser Skala bildet Scham den untersten Punkt: ein Zustand, der mit tiefer Selbstverurteilung, Rückzug und Entfremdung vom eigenen Wert verbunden ist. Die Energie der Scham blockiert laut diesem Modell nicht nur unsere Handlungsfähigkeit, sondern auch unsere Fähigkeit zur Verbindung mit anderen.
Auch emotionale Intelligenz spielt hier eine zentrale Rolle: Scham beeinflusst nicht nur, wie wir uns selbst sehen, sondern auch, wie wir andere wahrnehmen – und umgekehrt. Menschen, die regelmäßig intensive Scham empfinden, berichten oft davon, dass sie in sozialen Situationen besonders empfindsam auf nonverbale Signale reagieren. Schon ein Stirnrunzeln oder ein falscher Ton kann ausreichen, um alte Überzeugungen zu aktivieren.
Diese Mechanismen verdeutlichen, wie stark unsere emotionalen Erfahrungen unser inneres Erleben und unser Verhalten prägen – und wie wertvoll es ist, sich diesen Mustern in einem sicheren Rahmen achtsam zu nähern.
Fazit: Die Kraft der Auseinandersetzung
Scham gehört zu den Emotionen, die besonders viel Mut erfordern – Mut hinzusehen, zu fühlen, zu verstehen. Nicht um sie wegzumachen, sondern um einen bewussteren Umgang mit ihr zu finden. Denn erst wenn wir bereit sind, die Scham als Teil unserer Erfahrung zu akzeptieren, kann sie ihre Macht verlieren.
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