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„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“

Aktualisiert: 5. Apr. 2025

Ein Satz, der vielen von uns seit der Kindheit eingetrichtert wurde. Aber hast du dich jemals gefragt, warum wir Vergnügen als Belohnung für harte Arbeit sehen? Und noch wichtiger: Ist das eigentlich sinnvoll? Zeit, diesen Glaubenssatz zu hinterfragen – und ihn vielleicht mit einer neuen Perspektive zu ersetzen.


Woher kommt dieser Spruch überhaupt?

Die Idee hinter „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ hat tiefgehende kulturelle Wurzeln. Besonders in Deutschland wurde durch den Protestantismus und die sogenannte „protestantische Arbeitsethik“ das Bild geprägt, dass Fleiß und Disziplin der Weg zu Erfolg und Anerkennung sind. Arbeit wurde als Pflicht, Vergnügen als Luxus betrachtet – den man sich erst nach harter Leistung verdient hat.


Was hat das mit Emotionen zu tun?

Dieser Spruch vermittelt unterschwellig eine entscheidende Botschaft: Arbeit = Pflicht, Vergnügen = Belohnung. Das Problem? Wenn wir ständig darauf warten, dass der „Vergnügungsteil“ kommt, programmieren wir unser Gehirn darauf, Arbeit als etwas Belastendes und Vergnügen als etwas Rares zu sehen.

Neurowissenschaftlich betrachtet kann das problematisch sein. Emotionen und Motivation sind eng miteinander verbunden. Wenn wir Arbeit mit Stress und Zwang verknüpfen, setzt unser Gehirn Stresshormone frei – was auf Dauer zu Erschöpfung und Frustration führt. Vergnügen hingegen aktiviert das Belohnungssystem und sorgt für Dopaminausschüttung, die uns motiviert und leistungsfähiger macht.


Warum dieser Spruch dysfunktional sein kann

  1. Vergnügen als Belohnung setzt eine falsche Priorität Wenn wir uns nur nach getaner Arbeit Vergnügen erlauben, verlieren wir oft aus den Augen, dass Freude und Leichtigkeit ein integraler Bestandteil des Lebens sind – nicht nur eine Belohnung für Fleiß.

  2. Pausen sind keine Belohnung, sondern Notwendigkeit Psychologische Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßige kleine „Vergnügungspausen“ in ihre Arbeit integrieren, produktiver, kreativer und glücklicher sind. Wer das Vergnügen immer auf später verschiebt, riskiert, nie dazu zu kommen – oder nur noch erschöpft Vergnügen zu empfinden.

  3. Freude steigert die Produktivität Positive Emotionen führen dazu, dass wir effizienter arbeiten. Ein gesundes Maß an Freude während der Arbeit fördert Kreativität, Problemlösungsfähigkeit und langfristige Motivation. Wenn wir ständig darauf warten, dass der Spaß erst nach der Arbeit kommt, entgeht uns eine Menge an Lebensqualität.


Wann ist der Spruch sinnvoll?

Trotz seiner Schwächen hat der Satz seine Berechtigung – wenn er mit Bedacht eingesetzt wird. Struktur und Disziplin sind wichtig, und manchmal braucht es klare Prioritäten. Zum Beispiel:

  • Wenn kurzfristige Disziplin gefragt ist: Ein wichtiges Projekt muss fertig werden, bevor man sich eine Auszeit gönnt.

  • Wenn Selbstkontrolle gefordert ist: Erst die Steuererklärung, dann der Netflix-Abend.

  • Bei Aufgaben mit klarer Zielstruktur: Manche Tätigkeiten profitieren davon, erst „abgearbeitet“ zu werden, um danach den Kopf frei für Entspannung zu haben.


Ein neuer Blickwinkel: Arbeit und Vergnügen in Balance bringen

Statt Arbeit als notwendiges Übel und Vergnügen als rar gesätes Gut zu betrachten, lohnt es sich, beide miteinander zu verknüpfen.

  • Vergnügen in die Arbeit integrieren: Wenn Arbeit mit Freude verbunden ist, fühlt sie sich nicht wie Last an. Das kann durch Musik, kreative Pausen oder eine angenehme Umgebung geschehen.

  • Mikrobelohnungen nutzen: Kleine Momente der Freude während der Arbeit steigern die Motivation – sei es ein Spaziergang zwischendurch oder ein kurzes Gespräch mit einem Kollegen.

  • Bewusste Übergänge schaffen: Anstatt Arbeit und Vergnügen strikt zu trennen, kann es helfen, bewusste Rituale für den Übergang zwischen beidem einzuführen.


Fazit: Ein modernes Update für den alten Spruch

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist ein Glaubenssatz, der überdacht werden sollte. Statt starr nach dieser Regel zu leben, macht es Sinn, Freude als wichtigen Bestandteil des Alltags zu sehen – nicht als Belohnung, sondern als essenziellen Teil eines erfüllten Lebens. Also, warum nicht schon während der Arbeit ein wenig Vergnügen einbauen? Dein Gehirn wird es dir danken!





 
 
 

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