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„Emotionen machen schwach“ - Dumme Floskel oder steckt da mehr dahinter?

„Reiß dich zusammen!“, „Sei nicht so emotional!“ – diese Sätze haben wir alle schon mal gehört. Doch was, wenn emotionale Belastung tatsächlich physische Auswirkungen auf unseren Körper hat? Studien zeigen, dass stressige Emotionen direkt unsere Muskelkraft beeinflussen können. Wer sich also schon mal gefragt hat, warum er sich nach einem heftigen Streit oder einem stressigen Tag schlapp fühlt – hier kommt die wissenschaftliche Antwort.


Emotionen und Muskelkraft – Ein verblüffender Zusammenhang

Unsere Emotionen sind eng mit unserem Nervensystem verbunden, und das wiederum steuert unsere Muskeln. Besonders negative Emotionen wie Angst, Wut oder Traurigkeit lösen Stressreaktionen im Körper aus – oft mit unerwarteten Folgen für unsere körperliche Leistungsfähigkeit.

Eine bekannte Studie des Neurowissenschaftlers Alan Watkins untersuchte den Zusammenhang zwischen emotionalem Stress und Muskelkraft. Das Ergebnis: Personen, die unter akutem emotionalen Stress standen, zeigten eine signifikante Reduktion ihrer Muskelkraft – unabhängig von ihrer körperlichen Fitness. Stress führte zu einer verminderten neuronalen Aktivierung der Muskulatur, was bedeutet, dass unser Körper buchstäblich schwächer wird, wenn wir emotional belastet sind.


Wie funktioniert das? Die Rolle des autonomen Nervensystems

Wenn wir Stress oder intensive Emotionen erleben, aktiviert unser Körper das autonome Nervensystem – genauer gesagt den Sympathikus, der für die berühmte „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion verantwortlich ist. Das führt zu:

  • Erhöhter Herzfrequenz

  • Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin

  • Umverteilung der Energie: Der Körper priorisiert lebenswichtige Organe und reduziert die Versorgung von „sekundären“ Bereichen wie den Muskeln

  • Verspannungen und Verkrampfungen, die zu Beweglichkeitsverlust und Schwächegefühl führen

Kurz gesagt: Wer emotional gestresst ist, hat wortwörtlich weniger Power – und das nicht nur im übertragenen Sinne.


Studien zu Emotionen und physischer Leistungsfähigkeit

Neben Watkins fanden weitere Forschungen ähnliche Effekte:

  • Eine Studie von Dr. David Hawkins zeigte, dass Testpersonen, die mit negativen emotionalen Erinnerungen konfrontiert wurden, bis zu 30 % ihrer Griffkraft verloren.

  • Umgekehrt wiesen Personen, die an angenehme, freudige Erlebnisse dachten, eine erhöhte Muskelspannung und stärkere Körperkontrolle auf.

  • Dirk Eilert, Experte für Emotionscoaching, beschreibt, dass Emotionen wie Angst oder Ohnmacht unser System in eine Art „Notfallmodus“ versetzen, bei dem Muskelkraft stark reduziert wird, um den Körper zu schonen.


Was bedeutet das für unseren Alltag?

Wenn Emotionen tatsächlich so starken Einfluss auf unsere körperliche Leistungsfähigkeit haben, sollten wir dringend lernen, gesünder mit ihnen umzugehen. Wer oft unter emotionalem Stress steht, kann also nicht nur mental, sondern auch körperlich geschwächt sein – ein Teufelskreis, der langfristig zu Erschöpfung oder sogar chronischen Beschwerden führen kann.


Die Lösung: Gesunde Emotionsregulation und Psychohygiene

Die gute Nachricht: Genauso wie Stress uns schwächen kann, können positive Emotionen und eine bewusste Emotionsregulation uns stärken. Einige bewährte Strategien:

  • Atemtechniken: Tiefe Bauchatmung kann das Nervensystem beruhigen und Verspannungen lösen.

  • Bewegung: Sport oder sanfte Bewegung wie Yoga hilft, Stresshormone abzubauen.

  • Mentale Arbeit: Achtsamkeit und Emotionscoaching können helfen, belastende Emotionen schneller zu verarbeiten.

  • Bewusste Emotionssteuerung: Positive Gedanken und gezielte Erinnerungen an schöne Erlebnisse können sofortige physische Kraftsteigerung bewirken.


Fazit: Emotionen beeinflussen mehr als nur unsere Stimmung

Der Satz „Emotionen machen schwach“ ist mehr als nur eine Redewendung – er ist eine messbare Realität. Wer sich gestresst, überfordert oder emotional belastet fühlt, wird nicht nur mental, sondern auch körperlich geschwächt. Doch die gute Nachricht ist: Mit bewusster Emotionsregulation und der richtigen Psychohygiene können wir unseren Körper und Geist gleichermaßen stärken – für mehr Energie, Wohlbefinden und innere Stabilität.




 
 
 

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